„Heimat ist für mich ein Lebensgefühl“
Solange ich denken kann, war ich immer in irgendeinem Land beheimatet. Als Tochter türkischer Auswanderer war ich vom Kindergarten bis zu meinem 15ten Lebensjahr auf einer Internationalen Schule. Daraufhin wechselte ich für zwei Jahre auf ein Internat in den Niederlanden, an dem ich mein Abitur absolvierte. Im Anschluss ging ich nach Köln. Hier lebte ich, bis ich mich für mein Psychologie-Studium in den Niederlanden entschied.

Als kleines Kind verbrachte ich meine Ferien in der Türkei. Aber meinen Eltern war das Reisen immer sehr wichtig. So reisten wir oft mit dem Ziel, neue Kulturen kennenzulernen...

Schon in jungen Jahren durfte ich nach Amerika oder Ost-Asien kennenlernen und unternahm sehr viele Städtereisen mit meiner Mutter. Bis heute ist mir das Reisen sehr wichtig. Heute weiß ich aber auch, dass Deutschland immer meine Heimat bleiben wird, auch wenn ich die Definition von Heimat generell schwer finde. Heimat ist für mich ein Lebensgefühl. Ein Ort, an dem ich gerade bin. Und jeder Ort ist anders. Der eine vielleicht traditioneller, konservativer, der andere aufgeschlossen und wieder der nächste eine junge Studentenstadt, in der man sich ganz anders bewegt und in der man über ganz andere Themen spricht.

Bereits mit drei Jahren fing ich an zu tanzen. Mit 14 oder 15 Jahren kamen die türkischen Folklore-Tänze hinzu. Auf dem Bild trage ich ein Kleid aus der Schwarzmeer-Region. Hier tanzt man den Kolbasti-Tanz, der zu den bekanntesten Volkstänzen der Türkei und zudem zu einem der schnellsten Tänze der Welt zählt. Ich liebe ihn, weil er so energetisch und ausdrucksvoll ist. Wenn ich meine Tanzkostüme anziehe, wenn ich die türkische Folklore tanze, dann verbindet mich das mit der Türkei. Das Tanzen hat mir ermöglicht, den Draht, den ich gesucht habe, zu finden. Denn über meinen internationalen Werdegang hatte ich anfangs kaum türkische Freunde. Erst über das Tanzen wurde dieser Zugang für mich möglich.

Aber ich bin auch noch sehr jung. Ich befinde mich in einem Prozess. Ich habe ein wildes Herz, ich liebe neue Menschen, eine individuelle Gesellschaft. Dieses Bild ermöglicht es mir, meine Vielfalt zu zeigen. Es gibt meinen Wurzeln ein Gesicht. Und ich möchte gerne, dass dieses genauso gesehen wird wie die junge Frau, die ich im Alltag bin. Denn nur über den Austausch werden Vorurteile vernichtet, verschwindet der Gedanke, sich zu schnell eine voreingenommene Meinung zu bilden. Und meiner Meinung nach ist die junge Generation sehr viel aufgeschlossener, aber auch besorgter. Viele von uns sind bunt, für Vielfalt. Ich finde, wir vergessen das zu oft. Ich wünsche mir, dass wir jeden als Individuum ansehen und jeder ohne gesellschaftliche Ängste die Möglichkeit hat, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen und sein Leben zu leben.

WeltenFrauen Meri 21 Jahre aus der Türkei Ellen Schmauss

Infos zur Ausstellung: weltenfrauen.com
Die Fotos können auch käuflich erworben werden: www.ellenschmauss.de

Text: Meri
Foto: Ellen Schmauss

 
unbezahlte Anzeige 
 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.