WeltenFrauen: Elsa (31 Jahre) aus Usbekistan/Korea

„Die Nationalität spielt keine Rolle, wichtig ist nur, sich mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen“
Wo immer ich bin, ist mein Name ein Grund für Überraschungen. Denn ich habe zwar einen komplett deutschen Namen, sehe aber asiatisch aus. Und es wird noch komplizierter. Denn ich komme aus Usbekistan, in meinem Pass steht aber als Nationalität Koreanerin. Ich kann aber kein koreanisch sprechen. Meine Muttersprache ist russisch. Für Russen bin ich Koreanerin und für Koreaner bin ich wiederum eine russische Usbekin mit koreanischen Wurzeln. Also wer bin ich?

Meine Familie und ich sind sogenannte "Koryo-Saram" oder "russische Koreaner". Es ist eine lange und teilweise tragische Geschichte. In den 20er Jahren sind meine Großeltern aus Korea nach Russland ausgereist, weil die Lebensverhältnisse in Korea unter den Japaner nicht die besten waren. 1937 gab es Berichte über koreanische Spione...

in Russland, die für Japan arbeiteten. Stalin und Molotow beschlossen daraufhin, die koreanische Minderheit aus dem russischen fernen Osten nach Zentralasien und somit außerhalb des japanischen Einflussbereichs zu deportieren. Noch im selben Jahr wurde dann fast die komplette koreanische Minderheit umgesiedelt. In Zügen gepfercht wie Vieh, viele starben auf dem Weg vor Kälte und wurden einfach unterwegs aus den Wagons geworfen. In ihrer neuen Heimat trafen die Koryo-Saram auf große Schwierigkeiten. Schätzungen zufolge starben bis zu 40.000 Koreaner in den ersten Jahren nach der Deportation. Heutzutage leben Usbeken und Koryo-Saram friedlich und respektvoll vereint. Es gibt über 120 Nationalitäten in Usbekistan. Von Kindesbeinen an erlebte ich dort Vielfalt, Internationalität, Toleranz und Respekt.

Auf dem Bild trage ich usbekische und koreanische Kleidung. Usbekisch, weil ich in Usbekistan geboren und aufgewachsen bin und ein großer Teil von mir mit Usbekistan verbunden ist. Und koreanisch, weil dadurch meine familiäre Herkunft geprägt wurde. Obwohl ich zwar keine hundertprozentige Koreanerin bin, hat mich meine Familie teilweise mit koreanischen Traditionen und Bräuchen großgezogen und deswegen lebt auch eine Koreanerin in mir.
Die Kleidung aus meinen Heimaten spielt für mich eine ergänzende Rolle genauso wie die Traditionen. In Usbekistan waren wir Koreaner und haben an unterschiedlichen Festen koreanische Kleidung angezogen. Usbekische Kleider finde ich wunderschön und sie erleben aktuell glücklicherweise ein Comeback. Traditionen und Kleidung sind für mich schöne und interessante Details, die den Menschen zieren, wobei der Kern aber immer der gleiche bleibt – ein Mensch.

Als Frau in Deutschland wünsche ich mir und anderen eine harmonische Ausgewogenheit zwischen dem alten und neuen Frauenbild so wie es zwischen mir und meinem tollen Ehemann ist.

Elsa 31 Jahre aus UsbekistanKorea Ellen Schmauss

Infos zur Ausstellung: weltenfrauen.com
Die Fotos können auch käuflich erworben werden: www.ellenschmauss.de

Text: Elsa
Foto: Ellen Schmauss

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