Bürgermeisterin Christine Buchheit Foto Gabi ObiChristine Buchheit ist 1967 in Mannheim geboren und in der Pfalz aufgewachsen. Zum Studium kam sie nach Freiburg und ist seitdem dieser wunderschönen Stadt eng verbunden. Auch ihr Mann kommt hier aus der Region, daher war es immer ihr Wunsch eines Tages wieder in Südbaden zu leben. Ihre drei Kinder sind in Berlin geboren, sie sind inzwischen 18, 17 und 15 Jahre alt. Ihre jüngste Tochter kommt nächstes Jahr nach Freiburg und wird hier noch die Oberstufe absolvieren. Seit dem 7. April 2021 ist sie die Nachfolgerin von Frau Stuchlik im Amt der Bürgermeisterin für Umwelt, Jugend, Schule und Bildung.

1. Was hat ihr Interesse geweckt, sich in Freiburg zu bewerben?

2019 habe ich mich in Lahr als Oberbürgermeisterin beworben. Die Wahl habe ich knapp verloren. Gewonnen habe ich jedoch die tiefe Einsicht, dass Kommunalpolitik eine Herzensangelegenheit von mir ist, da es hier um das tägliche Gestalten konkreter Aufgaben für alle Menschen einer Stadt geht. Daher war die Ausschreibung der Stelle als Bürgermeisterin in meiner Studienstadt Freiburg eine große Chance.

2. Wie lange haben Sie im Ausland gelebt und wie hat sie das geprägt?

Ich habe direkt nach dem Abitur ein Jahr in Paris gelebt und fühle mich seitdem Frankreich und der deutsch-französischen Freundschaft eng verbunden. Auch das ist ein Grund, warum ich mich in Freiburg so wohl fühle. Als Familie hat uns unser fünfjähriger Aufenthalt in Kenia von 2008 bis 2013 sehr geprägt. Wir haben dort unter anderem erlebt, in welch privilegierten Verhältnissen wir als Deutsche leben können und wie schwierig der Alltag für Menschen ist, die durch keinerlei Sozialversicherungssysteme abgesichert sind. Unsere Kinder haben vor allem mitgenommen, dass unterschiedliche Hautfarben völlig selbstverständlich sind und über einen Menschen gar nichts aussagen.

3. Welche Ziele haben Sie sich für ihr Amt als BMin gesteckt?

Ich nehme eine zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft wahr, auch in Freiburg. Mein Hauptziel ist es zur Überwindung dieser Gräben beizutragen. Denn nur gemeinsam können wir uns den großen Aufgaben der Zukunft widmen, z.B. dem Kampf gegen den Klimawandel.

4. Was ist ihr Plan für die Digitalisierung der Schulen?

In diesem Bereich wurden schon von meiner Vorgängerin die wichtigsten Schritte auf den Weg gebracht. Wir werden nach und nach bei allen Schulen die notwendigen Strukturen für das digitale Zeitalter schaffen. Es gibt einen langfristigen Plan, um die Schulen Schritt für Schritt an das schnelle Internet anzuschließen. Unterstützt wird das auch mit den Mitteln des Digitalpakts des Bundes. Zusätzlich sind wir dabei, eine Schulträgerlösung zu entwickeln, die den nötigen Support über die Stadtverwaltung dauerhaft zur Verfügung stellt. Es ist ja längst nicht damit getan, Leitungen zu verlegen und Laptops zu verteilen. Die Schulen brauchen auch dauerhafte personelle IT-Unterstützung. Das alles ist zeit- und kostenintensiv und kann daher nur Schritt für Schritt erfolgen.

5. Was halten Sie von der Idee, in Weingarten ein Gymnasium zu bauen?

Die Entscheidung, dass weitere Gymnasialplätze am Berthold-Gymnasium entstehen sollen, hat der Gemeinderat im letzten Jahr getroffen. Das werden wir als nächstes umsetzen. Darüber hinaus arbeiten wir an der Planung einer weiterführenden Schule in den Tuniberg-Gemeinden und einer Gemeinschaftsschule im neuen Stadtteil Dietenbach. Mit der Umsetzung dieser Beschlüsse wird der größte Teil der fehlenden Plätze in weiterführenden Schulen in Freiburg abgedeckt sein. Auch Weingarten wird von den neuen Schulplätzen in der Nachbarschaft profitieren. Grundsätzlich sehe ich das Thema, das die Schullaufbahnen in den Stadtteilen Freiburgs sehr verschieden sind und dass wir beim Thema Bildungsgerechtigkeit weiter gefordert sind. Diesem Thema werde ich mich intensiv widmen und mir dabei auch die Situation in Weingarten genau ansehen.

Bürgermeisterin Christine Buchheit Foto Gabi Obi

6. Welches Klimaziel ist für Sie besonders wichtig und wie wollen Sie an der Umsetzung arbeiten?

Aus meiner Sicht gibt es nur ein Ziel, für das wir uns alle intensiv einsetzen müssen, das ist der 1,5 Grad Pfad, der eine rasche Verminderung der CO2-Emissionen erfordert. Freiburg hat sich hier bereits ehrgeizige Ziele gesetzt, die wir dieses Jahr angesichts der neuen Vorgaben und Vorhaben auf Bundes- und Landesebene überprüfen werden. Klimaschutz ist und bleibt eine Querschnittsaufgabe, die wir nur bewältigen, wenn wir in allen Sektoren Fortschritte erzielen. Darin sehe ich meine Hauptaufgabe: Als Lobbyistin für den Klimaschutz bei allen Entscheidungsträger_innen im Rathaus, bei der Wirtschaft und bei allen Bürger_innen für klimaschonende Transformation zu werben.

7. Wie viele Bürgermeisterinnen braucht Freiburg?

Frauen sind in der Kommunalpolitik massiv unterrepräsentiert. Nur neun (!) Prozent aller Bürgermeister_innen in Deutschland sind Frauen. Warum das so ist, hat viele Gründe. Ich finde es sehr schade, dass gerade dieser Politikbereich, der so alltagsnah ist, so wenig repräsentativ besetzt ist. Daher kann ich Frauen nur ermuntern, sich für solche Positionen zu bewerben.

8. Was sehen Sie als Ihre Stärken an?

Meines Erachtens ist eine meiner größten Stärken mein echtes und tiefes Interesse an den Menschen in all ihrer Vielfalt. Ich freue mich darauf, viele neue Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen, ihnen zuzuhören und die verschiedenen Interessen auszubalancieren. Oder anders gesagt: Kommunikation als echter Austausch, das liegt mir sehr. Aber gleichzeitig dürfen wir dabei natürlich das Entscheiden und Umsetzen nicht vergessen.

9. Was wünschen Sie sich für die Stadt Freiburg?

Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam gute Lösungen für die beiden wichtigsten Aufgaben Klimawandel und soziale Gerechtigkeit finden und als Stadtgemeinschaft dabei wachsen.

10. Welchen Rat würden Sie anderen Frauen geben, die auch etwas erreichen wollen?

Bleibe immer in Veränderung - es gibt weder ein “zu jung” noch ein “zu alt”. Es gibt immer wieder eine gute Zeit für etwas Neues, lebenslang.

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