Natasha aus Mexiko ©Ellen Schmauss Photography

„Viele tun nicht, was sie wollen, sondern nur, was andere von ihnen erwarten“
Meine Familie hat über Generationen eine tiefe Verbindung zu Deutschland. Denn mein Vater stammt aus Norddeutschland und auch meine Mutter ist Halb-Deutsche. Nach dem ersten Weltkrieg wanderten viele Deutsche so wie sie aus. Ich wurde entsprechend in Mexiko geboren, auf einer Kaffeeplantage, die meiner Familie gehörte. Ich führte ein schönes Leben. Studierte Sozialpädagogik und Erziehungswissenschaften in Mexiko-Stadt. Oft flog ich mit meinen Eltern nach Deutschland in den Urlaub und als ich alt genug war, wollte ich ein Jahr lang hier studieren, um mich weiterzuentwickeln. Schließlich lernte ich meinen chilenischen Mann kennen, der ebenfalls Wurzeln in Deutschland hat...

Einige Zeit lebten wir dann in Chile. Aber wir wollten mehr. Ein von der Familie unabhängiges Leben führen. Denn Südamerikaner haben eine andere familiäre Mentalität, von der wir uns lösen wollten.

Als mein Mann dann ein Jobangebot in Deutschland bekam, entschieden wir uns für die Auswanderung. Schließlich kamen meine Kinder hier auf die Welt und ich hätte mich von ihnen trennen müssen, um in einer anderen Stadt in Deutschland mein Studium abschließen zu können. So entschied ich mich dagegen und widmete mich ganz ihnen und ihrer Erziehung.

Zu dieser Zeit entdeckte ich südamerikanischen Tänze für mich. In Mexiko tanzte ich Ballett, aber südamerikanische Folklore-Tänze lernte ich erst in Deutschland. Mir taten die Rhythmen gut, ich war mit Feuereifer und viel Freude dabei. Heute ist das 13 Jahre her und ich liebe das Tanzen nach wie vor. Wir tanzen alle möglichen lateinamerikanischen Tänze und ein Stück weit tanzen wir damit auch gegen Klischees und Vorurteile an. Denn viele denken, nur weil ich aus Mexiko stamme, kann ich Lambada oder Salsa tanzen. Dabei essen wir höchstens Salsa. Sie denken, dass lateinamerikanische Frauen besonders sexy sind, vielleicht sogar leicht zu haben. Ich habe oft das Gefühl, dass wir nicht tiefer in Kulturen blicken, verlernt haben, Dinge zu hinterfragen. Deutsche haben auch oft die Eigenschaft, einem alles erklären oder sogar beibringen zu wollen. Und wenn es Dinge wie Geschirr spülen sind, so denken sie manchmal, sie müssten einem zeigen, wie es richtig geht.

Das Kleid, das ich trage, kommt aus Michoacán, besteht aus Baumwolle und wird meist von Spaniern oder den Ureinwohnern Mexikos getragen. Sie zu tragen, gibt mir ein erhabenes Gefühl. Als könne ich das Taktgefühl ausgleichen, das uns allen so oft im Umgang mit anderen Menschen fehlt.

Ich wünsche mir Menschen, die mehr tun, was sie wirklich wollen, statt nur das, was sie müssen. Ich wünsche mir mehr Interesse aneinander, Tiefgang, Herzlichkeit und Selbstliebe. Und insbesondere wünsche ich mir emanzipierte Frauen, die unabhängig von ihren Gefühlen sind, zu sich stehen und ihre Freiheiten nutzen.

Infos zur Ausstellung: weltenfrauen.com
Die Fotos können auch käuflich erworben werden: www.ellenschmauss.de

Text: Natasha
Foto: Ellen Schmauss

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