WeltenFrauen_ Cécile ©Ellen Schmaus

„Man kann auch ohne Heimat glücklich sein“
Heimat ist so eine Sache. Ich weiß zum Beispiel, dass Deutschland jetzt mein Zuhause ist. Dass ich mich den Traditionen, den Menschen, dem Leben hier sogar mehr verbunden fühle als all den Kulturen, die ich in mir trage. Mein Vater kommt aus Togo. Meine Mutter ist Französin. Ich bezeichne mich selbst als Afro-Europäerin. Ich bin in der Elfenbeinküste geboren, zum Teil dort aufgewachsen, zum Teil in Frankreich, habe im Elsass studiert, lebe in Deutschland.

Also, was ist Heimat? Wo ist meine Heimat? Braucht es Heimat, um glücklich zu sein? Nein, ich denke nicht. Glücklich ist man, wenn man ein erfülltes Leben führt...

Und auch ohne Heimat kann man glücklich sein. Denn Wurzeln sind immer nur der Anfang eines Lebens. Sie sagen nichts darüber aus, welchen Weg man gehen wird. Und wenn man nicht zu sehr an diesen Begrifflichkeiten hängt, lebt man freier. Denn es ist egal, wo ich bin, solange Liebe und geliebte Menschen um mich sind und mein Herz zuhause ist. Klingt kitschig? Aber ich empfinde es so.

Denn Wurzeln können auch ein Klotz am Bein sein, wenn die verknüpften Erfahrungen negativ sind oder die Vergangenheit zu schwer. Das bedeutet nicht, dass ich nicht emotional auf die Geschichte meiner Eltern reagiere oder auf meine eigene. Als ich zum Beispiel die Elfenbeinküste nach 37 Jahren zum ersten Mal wieder besuchte, ist das natürlich sehr emotional gewesen. Wenn ich heute meine Haare in die Tücher hülle, Kleider aus afrikanischen Stoffen anziehe, dann schwingt etwas in mir und ein Gefühl von Anmut und Erhabenheit macht sich breit. Ich richte mich auf, ein anderes Teil von mir wird wach. Aber das passiert auch, wenn ich Jeans trage oder ein europäisches Abendkleid. Was ich sagen möchte, ist, dass ich denke, dass jeder von uns auf seine Art mehrere Menschen in sich trägt. Und bezogen auf die Bilder von Ellen, Kleider nun einmal auch Leute machen.

Als Kulturbotschafterin der Stadt Freiburg für das Jubiläumsjahr 2020 ist mir eines besonders wichtig: Dass wir uns wohlwollend miteinander auseinandersetzen. Lernen, über uns und über „die anderen“ zu reflektieren und wenn möglich uns und „die“ annehmen so wie wir und sie sind. Dass die Gemeinschaft Geborgenheit gibt.

Die Welt steht an einem Wendepunkt. Was war kann nicht bleiben, wie es ist und das Neue ist noch nicht gefunden bzw. nicht gefestigt. Weitgreifende Entwicklungen finden statt, Menschen und Kulturen mischen sich, die Welt wird kleiner. Das alles muss sich noch sortieren, aber jeder von uns kann etwas dazu beitragen, diese Veränderungen nicht als Gefahren anzusehen, sondern als Bereicherung. Und insbesondere wir Frauen können dazu beitragen. Denn wir sind die, die Kinder erziehen, die Sanftheit und Sanftmut in die Gesellschaft tragen. Diese Kraft sollten wir wahrnehmen. Unsere Kinder, und besonders die Töchter dazu erziehen, mehr Selbstvertrauen zu haben. Keine Angst vor dem Fremden, bereit zu sein, zu gestalten und Vertrauen in das, was kommt, zu haben.

WeltenFrauen Cécile Ellen Schmauss

Infos zur Ausstellung: weltenfrauen.com
Die Fotos können auch käuflich erworben werden: www.ellenschmauss.de

Text: Cécile
Foto: Ellen Schmauss

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